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Was ist Nord Pool und wie entsteht der Strompreis an der Börse
Jeden Tag gegen Mittag versteigert Europa den Strom für den nächsten Tag. Das Ergebnis ist ein Preis für jede Viertelstunde in jeder Gebotszone – genau die Preise, die unsere Preiskarte zeigt. Hier erfahren Sie, was dahintersteckt.
Was Nord Pool ist
Nord Pool ist eine Strombörse. Sie startete 1996 als gemeinsamer norwegisch-schwedischer Markt und wuchs Schritt für Schritt nach Finnland, Dänemark, ins Baltikum und darüber hinaus. Heute ist sie einer von mehreren europäischen nominierten Strommarktbetreibern (NEMOs) – neben EPEX Spot etwa – und betreibt den Handel in den nordischen Ländern, im Baltikum, in Deutschland, Polen, den Benelux-Ländern, Frankreich, Österreich und Großbritannien.
Die Börse erzeugt weder Strom noch verkauft sie ihn an Haushalte. Sie ist der Ort, an dem sich Erzeuger, Großverbraucher und Stromanbieter jeden Tag darauf einigen, wie viel Energie morgen zu welchem Preis ins Netz fließt. Der Anbieter, bei dem Sie Ihren Strom kaufen, kauft in der Regel hier ein.
Die Day-Ahead-Auktion
Der wichtigste Markt ist die Day-Ahead-Auktion. Sie findet einmal täglich statt, gleichzeitig für ganz Europa:
- Bis 12:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit geben die Teilnehmer Kauf- und Verkaufsgebote für jede Periode des nächsten Tages ab.
- Ein einziger Algorithmus (bekannt als EUPHEMIA) führt die Gebote aller Länder gemeinsam zusammen und berücksichtigt dabei, wie viel Strom physisch zwischen ihnen transportiert werden kann.
- Gegen 12:45–13:00 Uhr MEZ werden die Preise veröffentlicht. Deshalb erscheinen die Preise für morgen am frühen Nachmittag auf der Karte, nicht früher.
Seit dem 1. Oktober 2025 läuft die Auktion in 15-Minuten-Schritten – 96 Preise pro Tag statt 24. Deshalb hat die Tabelle vier Spalten pro Stunde.
Wie der Preis entsteht
In der Auktion werden die Angebote vom günstigsten zum teuersten sortiert – die Merit-Order. Wind, Sonne und Wasserkraft produzieren nahezu ohne Grenzkosten und stehen daher ganz vorn; Kernkraft und Biomasse folgen; Gas- und Kohlekraftwerke, die Brennstoff und Emissionszertifikate kaufen müssen, stehen am Ende der Schlange.
Den Preis setzt das letzte Kraftwerk, das noch gebraucht wird, um die Nachfrage zu decken. Alle, die in der Schlange davor stehen, erhalten denselben Preis. Daher:
- In einer windigen Nacht, wenn Wind und Wasserkraft ausreichen, kann der Preis bei wenigen Cent oder sogar im Minus liegen;
- an einem kalten, windstillen Abend, wenn Gaskraftwerke angefahren werden müssen, kostet dieselbe Zone das Zehnfache;
- eine kleine Änderung bei Nachfrage oder Angebot kann den Preis kräftig bewegen – gerade am teuren Ende ist die Schlange steil.
Gebotszonen
Einen einheitlichen europäischen Preis gibt es nicht. Jedes Land – oder in großen Ländern jede Zone (SE1–SE4 in Schweden, NO1–NO5 in Norwegen, DK1 und DK2 in Dänemark) – bekommt seinen eigenen Preis. Gibt es auf den Leitungen zwischen zwei Zonen freie Kapazität, gleichen sich ihre Preise an; ist die Leitung voll, unterscheiden sie sich. Mehr dazu unter Warum sich Strompreise zwischen Ländern unterscheiden.
Was der Börsenpreis enthält
Nur die Energie selbst. Auf Ihrer Rechnung kommen Netzentgelte, Umlagen, die Marge des Anbieters und die Mehrwertsteuer hinzu – zusammen oft mehr als der Strom selbst. Auf der Karte werden die Preise standardmäßig ohne Mehrwertsteuer angezeigt; die Mehrwertsteuer lässt sich mit einem Klick zuschalten. Zu den übrigen Bestandteilen der Rechnung: Mehrwertsteuer und Netzentgelte nach Land.
Warum der Börsenpreis auch bei einem Festpreistarif zählt
Anbieter kalkulieren Festpreistarife aus Prognosen der Börsenpreise, auf Dauer folgen sie also der Börse. Die Gewinne aus den Preisschwankungen – günstige Nachtstunden, Solarstrom am Mittag – stehen aber nur Kunden mit einem Börsenpreisvertrag offen. Wie Sie sie nutzen: Die günstigsten Stunden nutzen.